Fahrradkirche

Geschichte

Im Jahre 1726 ließ der Rittergutsbesitzer von Zöbigker, der sächsische Oberpostmeister Johann Jacob Kees der Jüngere, die alte Kirche von Zöbigker im Barockstil erneuern. Eine weitere Renovierung erfolgte 1883 durch den bekannten Kirchenbaumeister Hugo Altendorff. Die Dorfkirche brannte aber am Sonntag vor Pfingsten, dem 17. Mai 1942, durch einen Schwelbrand im Orgelmotor bis auf die Grundmauern nieder und verfiel dann in einen Dornröschenschlaf. Aufgrund der Mangelwirtschaft und der kirchenfeindlichen Politik in der DDR sowie angesichts der drohenden Abbaggerung des Ortes war an einen Wiederaufbau nicht zu denken. Über 60 Jahre später – im Jahr 2006 – wurden das Gelände der ehemaligen Dorfkirche sowie die Kirchenruine selbst mit einem Arbeitseinsatz der Kirchgemeinde Markkleeberg-West als Startsignal wieder zum Leben erweckt. Am Ostermontag 2007 wurde der erste Radfahrer-Gottesdienst an der Kirchenruine gefeiert, 2015 erstmals auch im Inneren der Kirchruine.

Bau

Der erste Bauabschnitt, die denkmalgerechte Sanierung der Mauer und Toranlage, konnte im Jahr 2009 realisiert werden. Um die Ruine selbst für Veranstaltungen zu nutzen, konnten 2014 bis 2020 die Verkehrssicherheit wiederhergestellt werden: Sanierungsmaßnahmen an der einsturzgefährdeten Bestandsmauer und dem Turmstumpf, Erneuerung des Ringankers, Außenputzarbeiten mit Kalkputz und gesiebtem Quarzsand aus der Grube Großschkorlopp und die Sicherung der historischen Putze aus dem 18. Jahrhundert im ziegelsichtig verbliebenen Innenraum. Im neu errichten Südanbau ist eine behindertengerechte Toilettenanlage, im Ostanbau ein Lager- und Medienraum eingerichtet worden. Die beim Orgelbrand geborgene Glocke wurde auf einer ersten Turmebene in einen neuen Glockenstuhl eingehängt und neu geweiht. Im ganzen Kirchenraum sind Bodenbeläge erneuert worden, neu eingelassene Fundamente tragen einen stilvollen Dachstuhl, der von dem lichtdurchlässigen Membrandach überspannt wird.

Projekt

„Wieder ein Jubiläum an der Fahrradkirche“
2006, also vor rund 20 Jahren wurde die erste Projektskizze zur Fahrradkirche im Kirchvorstand beschlossen. Ein baufälliges und überwuchertes Gelände mit Ruine wartete auf Sanierung und auf Menschen, die ihm Leben einhauchten. Aus einem Traum wurde Wirklichkeit, und es fühlt sich weiterhin wie ein Wunder an.
Die letzten Baumaßnahmen sind abgerechnet, rund eine Millionen Euro wurden seit 2009 verbaut. Rund 20% an Eigenmitteln steuerten Landeskirche, Stiftungen, Unternehmen, Baufirmen und Einzelpersonen bei. Die Eigenleistungen der Ehrenamtlichen bewegten sich im fünfstelligen Bereich. Super. Danke.
Hauptförderer des letzten Bauabschnitts war das sächsische Oberbergamt, welches §4-Mittel über die LMBV ausgereicht hat. Die letzten Bautätigkeiten ab 2023 beinhalteten unter anderem die Überarbeitung und Reinigung der Dachkonstruktion, das Aufsetzen eines Stahlturms mit Wetterfahne, die Sanierung von Boden und Wänden des Anbaus Nord und Einbau einer Stahltreppe an das OG des Anbaus (zukünftige Pilgerstube), Errichten eines Anbaus bzw. Foyers am Haupteingang mit eingebauten Ausgabetresen und Natursteinboden, Einbau von einfachen Fenstern, Türen und Brüstungen im ganzen Gebäude und die Gestaltung des Außengeländes mit Fahrradbügeln, Wegen und einer runden Außenbühne mit Segel.
„Um den Turm und den Innenraum in angemessener Weise zu inszenieren, hat die Kirche eine moderne und vielseitig steuerbare Beleuchtungstechnik erhalten. So wird das transluzente Membrandach nun von Innen beleuchtet, sodass es von außen weithin als Landmarke sichtbar ist. Entsprechend wurde auch der Turm mit einer schönen Anstrahlung versehen. Die Beleuchtung erstreckt sich nun über sämtliche Räume und die Freianlagen und ist nun ein wesentlicher Bestandteil der Inszenierung und Architektur“ (Hoffmann, W&V Architekten).
Historischen Grabplatten konnten gerettet und südlich der Kirche ausgestellt werden. Hier helfen Infotafeln, sich in die Geschichte des Ortes zu vertiefen. Die historische Taufschale hat nun einen Fuß und konnte den ersten Täufling im Raum der Stille begrüßen.
Veranstaltungsraum und Außengelände sind nun voll funktionsfähig und werden von den Besuchern rege genutzt. Die Fahrradkirche bleibt ein idealer Anlaufpunkt der Kirchgemeinde Markkleeberg für Erholungssuchende, um abseits der Touristenströme zu Besinnung zu finden oder niedrigschwellige Veranstaltungen der besonderen Art zu erleben: Wen dürstet, der komme. Das Jubiläumsjahr 2024 (300 Jahre Umbau der Kirche durch die Patronatsfamilie Kees) und das Gemeindefest 2025 bleiben noch lange in Erinnerung.
In große Dankbarkeit Aaron Büchel-Bernhardt (Ausschussvorsitzender Fahrradkirche, Januar 2026)